Kunst aus der Sprühdose

An der Spray-Wall klackerten die Sprühdosen.

„Zisch!“: Aus der Sprühdose schießt ein blauer Farbstrahl auf die weiße Wand. Die Luft riecht nach frischem Lack und Lösungsmitteln. In rhythmischen Abständen ertönt entlang der Spray-Wall am Fußgängerweg unweit der Struht-Brücke metallisches Klackern, während im Hintergrund die Nahe und der Verkehr durch den Altenbergtunnel rauschen. Strich für Strich entstehen dort knallbunte Kunstwerke. Winnie Puh, Tweety, die Ninja-Turtels, Slogans in 3-D und zwinkernde Smileys: Spaziergänger und Radfahrer halten inne, um den jungen Sprayern über die Schultern zu schauen.

Graffiti-Künstler Moritz Overbeck gab Tipps zu Sprühtechniken.
Die Sprühaktion war Teil des Sommerferienprogramms der Stadt. Moritz Overbeck, freischaffender Graffiti-Künstler aus Mainz, bot dazu einen zweitägigen Workshop an, der sich gleichermaßen an Anfänger und Fortgeschrittene richtete. Das Interesse war groß: Mehr als ein Dutzend Jugendliche und junge Erwachsene nahmen daran teil. Zunächst wurden Motive skizziert. Im Jugendzentrum am Markt (JAM) übten sich die Teilnehmer im 3-D-Zeichnen. Außerdem gab es wichtige Infos zum Thema Graffiti. Wo darf gesprüht werden und wo nicht? Mit der Spray-Wall schuf die Schmuckstadt in der Vergangenheit eine Möglichkeit, legal Graffitis anzufertigen.
Winne Puh grüßt lachend an der Wand.
Am zweiten Veranstaltungstag hieß es dann: „Ran an die Farbdosen“. Overbeck erläuterte, welcher Aufsatz und welche Sprühtechnik sich am besten für welche Bereiche eines Sprühgemäldes eignen. Außerdem gab der Graffiti-Profi aus der Landeshauptstadt eine Einführung zum Spiel mit Kontrasten, Licht und Schatten sowie Zierelementen. An erster Stelle stand die Sicherheit. Schutzmasken und Latexhandschuhe waren Pflicht. „Auch der richtige Abstand zur Wand und die Handführung spielen eine wichtige Rolle“, betonte Overbeck. Kreativ, wild, verträumt: Nach einigen Stunden betrachteten die jungen Künstler zufrieden ihr fantastisches Werk. Ein schätzungsweise 20 Meter langer Abschnitt der Spray-Wall wurde mit frischen Lackfarben ästhetisch verziert. Der Graffiti Workshop wurde als Präventionsprojekt durch die Leitstelle Kriminalprävention beim Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz gefördert.